Blaues Kreuz

Kassel e.V.

Chronik

So fing alles an . . . 1895
Als im Oktober 1895 einige Frauen und Männer mit Pfarrer Wittekindt den Blaukreuz-Verein in Kassel gründeten, ahnten sie nicht, welches großes Aufgabenfeld sich ihnen öffnen sollte. Überall in Deutschland waren Blaukreuz-Vereine entstanden; bewusste Christen wollten etwas tun gegen die große Not des Elendsalkoholismus des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Gesellschaft und Wissenschaft sahen in den Opfern des Alkoholismus nur "hoffnungslose Fälle". Gegen solche Widerstände setzten auch die wenigen verantwortlichen Christen in Kassel Zeichen der Hoffnung für viele Menschen unserer Stadt. Mit den bisherigen Erfahrungen in der Schweiz und den 10-jährigen Erfahrungen in Deutschland wurde versucht, Alkoholgefährdete Menschen zu erreichen.
 

Man traf sich zunächst in angemieteten Räumen. nach anfänglichen Schwierigkeiten, die ersten Blaukreuzler wurden mit Hohn und Spott bedacht, wuchs die Arbeit doch schnell. bereits 1899 wurde der erste hauptamtliche Mitarbeiter eingestellt, Berufsarbeiter wurde damals gesagt. Auch die Räume in der Bettenhäuser Straße wurden zu klein.

 

Wachsende Zahlen von Besuchern und Betreuten machten es notwendig, ein eigenes Haus zu haben, um den Aufgaben gerecht zu werden zu können. Im Jahr 1901 hatten die03-03-2012 01;20;15_1 verantwortlichen den Glaubensmut, ein Grundstück an der Schillerstraße 4, im Zentrum der Stadt, zu erwerben und ein Wohnhaus mit acht Wohnungen, zwei Geschäftsräumen und einem Hintergebäude mit Saal (300 Sitzpätze), dazu zwei Wohnungen, Jugend- und Geschäftsräume zu bauen. 1902 wurde bereits das Anwesen seiner bestimmung übergeben.

 
Dadurch war die Möglichkeit geggeben, intensive Kinder- und Jugendarbeit zu beginnen.  Es gab verschiedene Chöre und einen Posaunenchor. In den  Vororten Kassels gab es "Zweigversammlungen". Heute werden diese als "Hauskreise" weitergeführt.Inzwischen waren drei vollzeitliche Mitarbeiter beschäftigt.
 

Das Haus Schillerstraße 4 wurde zusammen mit der Landeskirchlichen Gemeinschaft "Philadelphia" (bis 1927) genutzt. Dadurch ergaben sich auch viele Doppelmitgliedschaften.

Der Saal erwies sich bald zu klein. Denn nicht nur die Sonntagsstunden (Gottesdienste) waren gut besucht, auch alle anderen Vereinsangebote, außer den schon erwähnten, noch Männerabende und Familienabende.
 

Das führte dazu, dass der vorhandene Versammlungssaal im Jahre 1912 erweitert werden musste auf 900 Sitzplätze.

Aus diesen Jahren des Aufbaus und der Entwicklung des Blauen Kreuzes Kassel gäbe es noch viel zu berichten. Doch können nur noch einige Aktivitäten Erwähnung finden, die es zum Teil auch heute wieder in anderer Form gibt. Für damalige Verhältnisse war das Blaue Kreuz doch recht fortschrittlich.

So wurde im Jahr 1906 ein Männerwohnheim gegründet, als eine Übergangseinrichtung. Dorrt gab es eine Schneiderei, eine Schuhmacherei, eine Gärtnerei, Flechterei und eine Schlosserei. So konnten die Männer auch einer Beschäftigung nachgehen. Leider musste dieses Heim nach acht Jahren wieder schließen, die Kosten konnten nicht mehr aufgebracht werden.
 

1905 wurde an der Fulda ein großer Garten angemietet, später auch gekauft. Er diente vielen Menschen der Altstadt als "Naherholungsgebiet" . . . so würde man heute sagen . . . Neben einem großen Spielgelände gab es ein Kaffeehäuschen, wo gegen ein geringes Entgelt, 5 Pfennig pro Tasse, Kaffee aufgegossen wurde. Eine große Halle wurde gebaut und in den Sommermonaten wurden regelmäßig Gottesdieste dort gefeiert.

1913 - Eine "Schrippenkirche", nach Berliner Vorbild, bot Obdachlosen am Sonntagmorgen Brötchen und Kaffee an, verbunden mit einer kurzen Andacht. 

Ferner gab es zeitweise noch eine "Mitternachtsmission", einen Missionsnähverein und sogar eine Schwesternstation, die Alte und Kranke betreute. 

Das haus Elim gehörte damals dem Blauen Kreuz und wurde als Erholungsheim für Frauen und aus Alkoholikerfamilien genutzt. 

Im Vorderhaus der Schillerstraße 4 bafand sich auch schon ein Vorläufer unseres Blauen Cafés. Dort wurde eine Kaffeestube eingerichtet, in der man aber auch in alkoholfreier Umgebung ein Mittag- oder Abendessen einnehmen konnte. Über hunderte Gäste wurden durchschnittlich jeden Tag versorgt.

Zum Schluss möchte ich noch die sogenannte "Brockensammlung" erwähnen. Sie wurde 1907  gegründet und bestand bis zum schweren Bombenangriff im Oktober 1943. Diese Einrichtung war eine wichtiger Bestandteil der damaligen Blaukreuz-Arbeit. Zunächst mit einem Handkarren, später mit Pferd und Wagen und sogar mit einem Auto wurden reparaturbedürftige Haushaltsgegenstände eingesammelt, in den bestehenden Werkstätten restauriert und an Bedürftige gegen ein geringes Entgeld abgegeben. Die Erlöse trugen dazu bei, die Arbeit des Blauen Kreuzes zu finazieren. Auch wurden so Arbeitsplätze in einer auch damals schwierigen Zeit geschaffen.

 

Blütezeit und Niedergang . . . 1930 - 1945

Nachdem das Blaue Kreuz und Landeskirchliche Gemeinschaft sich 1927 getrennt hatten, begann ein neuer Abschnitt der Arbeit.

Als Stadtmissionar, heute würde man Blaukreuzsekretär sagen, hatte Otto Groos als hauptamtlicher Mitarbeiter beim Blauen Kreuz seinen Dienst angefangen. Über die Blaukreuz-Arbeit in den nun beginnenden 30er Jahren bis zum Kriegsende 1945 befragten wir seine Tochter, Frau Frieda Krause, geb. Goos. Sie schilderte nun aus ihrer persönlichen Sicht einiges, was ihr in der Erinnerung haften geblieben ist und ihr für die damalige Zeit wichtig erschien.

 

Frage:

Du hast diese Zeit, diesen Neubeginn miterlebt, als Dein Vater hier beim Blauen Kreuz seinen Dienst begann. Was kannst Du uns aus dem Vereinsleben der 30er Jahren sagen, was ist Dir wichtig, um es hier zu berichten?

Frieda Krause:

"Im Rückblick kann ich die ersten der 30er Jahre als eine "Goldene Zeit" betrachten. Ich war ja noch jung und erlebte mit, wie eine gute Jugendarbeit in dieser Zeit entstand. Von uns Jugendlichen wurde eine konsequente Mitarbeit erwartet - z.B. Schriften- und kalenderverkauf, Gestaltung von Jugend- und  Altenabende.03-03-2012 12;39;36_1

Das Vereinsleben spielte sich im Sommer hauptsächlich im Blaukreuz-Garten ab. In diesen Jahren war auch eine Diakonisse angestellt für Alten-und Krankenpflege. Sie betreute auch den "Frauen-Missionsnähverein".

Es wurden nicht nur gerade für die Jugend viele Aktivitäten angeboten, auch für den Verein bedeuteten diese Jahre eine Blütezeit".

 

Frage:

Spielte damals das Alkoholproblem eine ähnliche große Rolle wie heute?

Frieda Krause:

"Unser Hauptarbeitsgebiet war die Altstadt von Kassel. Verbreitete Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot bewirkten u.a. gerade bei den sozial schwachen Menschen "den Griff zur Flasche". Ein großes Hilfsangebot war in dieser zeit der Blaukreuz-Garten, wo die Mütter mit der meist großen Kinderschar die Nachmittage verbringen konnten. Kaffeekanne und Stopfkorb gehörten zur täglichen Ausrüstung.

Das Angebot der Gottesdienste erreichte da auch Menschen, die den Weg zur Kirche sonst nicht fanden.

Von ganz großer Bedeutung in diesen Jahren war die sogenannte "Brockensammlung". Das Angebot an Möbel und anderem Hausrat war eine billige Einkaufsquelle für die Menschen. Durch die Restaurierung der gebrauchten Gegenstände, die mit Pferd und Wagen, später auch mit einem Auto, eingesammelt ware, fanden eine ganze Reihe Männer einen Arbeitsplatz. Viele Jahre war Herr Otto Vogt Leiter dieser Einrichtung".

 

Frage:

Gab es dann in dieser Zeit des Nationalsozialismus Schwierigkeiten für die Blaukreuz-Arbeit in Kassel?

Frieda Krause:

"In den ersten jahren des Hitlers-Regimes konnten wir noch nahezu ungestört arbeiten. Die Veranstaltungen und die Missionsarbeit durch Schriften konnten durchgeführt werden. Je näher aber wir dem Kriegsbeginn zusteuerten, mehrten sich auch für das Blaue Kreuz die Schwierigkeiten.

Verschiedene Zweige der Arbeit mussten eingestellt werden, ein Grund: fehlende Mitarbeiter. Die jungen Männer und später auch Frauen wurden zum Militärdienst einberufen.

Teils durch Papierknappheit und auch durch Verbote der Regierung musste der Schriftenvertrieb eingestellt werden. Ein Sammelverbot wurde erlassen. Die Finanzierungsmöglichkeiten der Arbeit waren erschwert. Bei Kriegsausbruch wurden der Blaukreuz-Garten und das Blaukreuz Haus zum größten Teil beschlagnamt. Einige wenige Räume blieben noch für unsere Vereinsveranstaltungen".

 

Frage:

Die späteren Kriegsjahre hatten doch sicher einen großen Einfluss auf die Arbeit?

Frieda Krause:

Das ist kurz gesagt. Die haüfigen Bombenangriffe und die immer schlechteren Verkehrsanbindungen erschwerten den Menschen den Besuch unserer Veranstaltungen. Durch Militärdienst, Evakuierung usw. reduzierte sich die Mitgliederzahl. Im Oktober 1943 wurde das Blaukreuz-Haus, wie vieles in unserer Stadt fast restlos zerstört".

 

Für kurze Zeit fand der Blaukreuz-Verein noch ein Unterkommen im Diakonissenhaus, bis auch dieses den Bomben zum Opfer fiel. Bis zum Neuanfang im Jahr 1945 kam die Arbeit praktisch zum Erliegen.

 

Ein neuer Anfang 1945
Das Jahr 1945 war ein Jubiläumsjahr: 50 Jahre Blaues Kreuz Kassel ! Es wurde ein hoffnungsvoller Neuanfang, obwohl das traurige kleine Häuflein der Blaukreuz-Geschwister überall verstreut lebte. Am 8. Mai war der unselige Krieg zu Ende gegangen, der am 23. Oktober 1943  auch das schöne große Anwesen in der Schillerstraße 4 zerstört hatte. Ein großer Teil der Männer war zur Wehrmacht eingezogen worden und einige von ihnen waren gefallen. Doch Gott hatte zuvor, die Arbeit des Blauen Kreuzes in Kassel wieder aufleben lassen. Bereits am 27.Mai 1945 sammelten sich eine kleine Schar von dreißig Mitgliedern Bruder Karl Schuchardt hatte mit den Brüdern Otto und Herrmann Vogt versucht, die Verbindung untereinander aufzunehmen, Wie sollte die zerschlagene Arbeit wieder unter dem Segen Gottes wachsen? Fragen über Fragen bewegte die kleine Schar der treuen (inzwischen längst verstorben) Mitglieder.
 

Im Oktober 1945 wurde in der Kirchditmolder Kirche im Kirchensaal eine schlichte 50-Jahrfeier zum ersten Impuls und zu geistlichen Neubesinnung. Kleine Zusammenkünfte in Privatwohnungen vertieften die wachsende Arbeit. Immer mehr Mitglieder fanden sich ein, um Verantwortung zu übernehmen. Eine besondere Stärkung erfuhr die Arbeit durch den aus der Gefangenschaft zurückkehrenden Stadtmissionar und unseren früheren vollzeitigen Mitarbeiter, Otto Goos. Uneigennützig widmete er sich der Arbeit, die ohne funktionierende Verkehrsverbindungen, zerstörte Stadtteile, zerbombte Wohnungen und mangelnde Versorgung der gesamten Bevölgerung besonders erschwert war. In der ersten öffentlichen Veranstaltung im Wegmannspark vom 16. bis 22. November 1946  wurde versucht, Menschen mit unserem Blaukreuz-Anliegen zu erreichen. Das Kurhessische Diakonissenhaus hatte uns sonntäglich von 17 bis 18 Uhr eine Bleibe für unsere Blaukreuz-Versammlungen angeboten. Wie dankbar waren wir dafür ! Auch in den Vororten wurde versucht, Menschen zu erreichen und zu sammeln. In Kassel-Bettenhausen mieteten wir einen Klassenraum, um dort eine Woche lang durch einen Blaukreuz-Sekretär Vorträge halten zu lassen.

 

Die ersten Alkoholiker kamen in unser Blickfeld. Besuche wurden gemacht, Abholdienste waren selbstverständlich. Es wurden persönliche Beziehungen aufgebaut. Es kam zu Entscheidungen und Befreiungen. Gott gab bei allen bescheidenen Mitteln den wenigen Helfern offene Auge, Ohren und die nötige Kraft, den schnell wachsenden Aufgaben gerecht zu werden. Neben allem Einsatz hatten die Blaukreuz-Mitglieder für das finanzielle Weiterkommen zu sorgen. Der Währungsschnitt warf besondere vereinsinterne Finanzierungsfrage auf, die heute fast wie eine Legende wirken. Wir besaßen zwar ein Trümmergrundstück, bekamen aber als Verein keine Entschädigung. Die Stadt Kassel benutzte unser großes Grundstück zum Betreiben eines eigenen Bausteinwerkes, bezahlte uns aber nur eine lächerliche Pachtsumme. Doch trotz außerlicher Sorgen wuchs eine geistliche Bereitschaft. Junge Menschen sammelten sich; manchmal fanden sich dreißig bis vierzig Jugendliche zusammen. Gott öffnete Herzen und Türen.03-03-2012 15;26;29_3

 

Als unser bewährtes Missionsblatt "RETTUNG" vom Blaukreuz-Verlag wieder herausgegeben wurde, hatten wir die Möglichkeit, Außerstehende anzusprechen. Was war das für ein Eifer in unseren Reihen! In unseren Blaukreuz-Versammlungen roch es wieder nach Alkohol. Das bedeutete: Menschen kamen zu uns, um vom Trinkzwang befreit zu werden. Ja, es war wieder eine Neubelebung nach dem Zusammenbruch entstanden. neue Freunde kamen hinzu und zahlreiche Opfer wurden gebracht. Am Erntedanktag 1951 zeichneten hundert Mitglieder (sechzig Familien) eine verbindliche Spende von 3.200,- DM um einen Grundstock für den Wiederaufbau des zerstörten Blaukreuz-Hauses Schillerstraße 4 zu bekommen. Auf dem Trümmergrundstück entstanden bald ein reges Leben. In Eigenleistung wurde der Trümmerschutt beseitigt, mit viel Fleiß waren Groß und Klein dabei, die Grundmauern freizulegen. Im Jahr 1954 konnten wir dann ein neues Saalgebäude mit Nebenraum, Empore und kleiner Kaffeküche in Benutzung nehmen. Wir hatten wieder ein eigenes Zuhause und ein neuer Abschnitt im Blaukreuz-Geschehen Kassel begann.

 

Stabilisierung und Umzug . . . 1955
In den Jahren an 1954 wurde die Blaukreuz-Arbeit durch den persönlichen Einsatz und die Opfer der Geschwister wieder neu aufgebaut. zwar musste sich das Kasseler Blaue Kreuz gegenüber dem kurz nach Jahrhundertwende erbauten und 1912 erweiterten Gebäude in der Schillerstraße mit sehr viel bescheidenen Verhältnissen begnügen, aber dieser Ort war besonders für die Älteren mit reichen Erinnerungen verbunden. Doch war es gut und wichtig, wieder im eigenen Haus zu sein.
 

In dieser Nachkriegszeit war zwar vieles, gemessen an dem, was einmal bestanden hat, ein Provisorium. Diese Schwierigkeiten wurden aber gemeinsam angegangen und führten dazu, dass sich die Mitglieder untereinander verantwortlich wussten und ein gutes Miteinander wuchs, wo einer auf den anderen verlassen konnte.

In den folgenden Jahren stabilisierte sich die Arbeit und neue Aufgaben wurden begonnen und für die Zukunft geplant. Es wurde nach den schweren Kriegs- und Nachkriegszeiten wieder recht lebendig in der Schillerstraße 4.

Umso bedrückender war es, als in den 60er Jahren mit der Sanierungsplanung der Stadt Kassel die Gefahr, dieses zur Heimat gewordene Vereinshaus erneut zu verlieren, immer drohender wurde.

Die Stadt Kassel bot uns dann im Tauschwege das Grundstück Grüner Weg, Ecke Erzbergerstraße an. Wir willigten ein, weil die Lage von uns als günstig beurteilt wurde. Die Entfernung vom alten Platz betrug nur 5 Minuten und wir blieben damit in Stadtmitte und Bahnhofsnähe. Ein großes Projekt mit einem Wohnheim, einem Rehabilitationszentrum und einer Klinik und viele geeigneten Vereinsräumen wurde geplant. Die Finanzierung schien gesichert. Alle Geldmittel waren zunächst zugesagt. Dann aber kam eine Finanzkrise, die alle öffentlichen Mittel einfrieren ließ. Von den staatlichen Stellen wurde das Objekt auf unbestimmte Zeit zurückgestellt.

Nun begann bei uns erneut die Not. Wir mussten vertragsgemäß das alte Grundstück in der Schillerstraße räumen und die neuen Räume konnten nicht geschaffen werden. Dann aber durften wir es erneut erleben, wie der Herr sich zu unserem Dienst bekannte. Ein leerstehendes haus mit einem sehr großen Garten wurde uns in Kassel-Wilhelmshöhe angeboten. Wir alle sahen darin einen Fingerzeig unseres Herrn. Der Kauf wurde abgeschlossen und das Haus um- und angebaut. Am 16. Juli 1967 wurde das Haus in der Landgraf-Karl-Straße 22 fertig und eingeweiht. Es war ein besonderer Tag in der Geschichte unseres Vereins. Neben den Vereinsräumen konnten wir ein Rehabilitationsheim mit einplanen. 18 betten, mit den erforderlichen Ess-, Wohn- und Clubräumen, standen für unsere Männer zur Verfügung.

 

 

1967 bis 1995

FachklinikFachklinik

Der große Bedarf an Klinikbetten in unserer Region machte es erforderlich, ein zweites Haus zu erwerben und einen Erweiterungsbau am Haupthaus mit Vereinssaal zu errichten. Seit 1980 können 38 Männer für eine 4- bis 6-monatige stationäre Behandlung aufgenommen werden. Neue Mitarbiter wurden eingestellt.

 

Beratungsstelle

Paraell zur vereins- und Klinikarbeit wurden schon immer Beratungsdienste von qualifizierten Mitarbeitern geleistet. Die Intensivierung dieser Arbeit machte es erforderlich, eine Beratungsstelle in neu angemieteten Räumen im Haus Kunoldstraße 43 einzurichten. Die Finanzierung der ambulanden Arbeit ist bis heute ein großes Problem geblieben und konnte bisher nur durch Spenden und Eigenmittel gesichert werden. Die Zuschüsse von der Stadt Kassel, dem Landkreis Kassel und dem Land Hessen sind längst nicht kostendeckend.

 

bild05,KWHKatharina-Wittenburg-Haus

Da ein großer Bedarf für die stationäre Nachsorge festzustellen war, konnte 1983 mit der Inbetriebnahme des Katharina-Wittenburg-Haus 32 Männer und Frauen eine solche Heimstätte mit großem Park zur Verfügung gestellt werden.

 

Ambulante Therapie

Ab 1985 konnte im Rahmen eines Krankenkassen- und Hessenmodells in unserer Beratungsstelle die ambulante Therapie weiterentwickelt und finanziell unterstützt werden. Inzwischen sind wir eine von den Rentenversicherungsträgern und den Krankenkassen anerkannte Fachberatungsstelle für ambulante Therapie und Nachsorge mit einem guten Behandlungsangebot für Betroffene und ihre Angehörigen.

 

Wohngemeinschaft - Betreutes Wohnen

Schon 1984 wurden 10 Plätze Wohngemeinschaft im Haus Elim mit großem Parkgelände am Stadtrand für ehemalige Bewohner des Kathrina-Wittenburg-Hauses eingerichtet.Haus-Elim Vermieter des Katharina-Wittenburg-Hauses ist der Diakonieverein Berlin-Zehlendorf, von Haus Elim das Kurhessische Diakonissenhaus Kassel, die unsere Arbeit seit Jahren freundschaftlich begleiten.

Nachdem der Landeswohlfahrtsverband hessen die Finanzierung des "Betreuten Wohnens-WG" und neue "Einzelwohnens" ab 1989 übernommen hatte konnten bis heute 56 Plätze geschaffen und neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen eingestellt werden. Diese Arbeit hat sich bewährt und vielen Menschen ein sinnvolles Leben außerhalb stationärer Einrichtungen ermöglicht.

 

Begegnungszentrum - Blaues Café

1990 konnten mit dem Erwerb des Geschäftshauses Landgraf-Karl-Straße 26 ein weiterer Meilenstein in der Vereinsarbeit gesetzt werden. Das langersehnte Begegnungszentrum mit dem Blauen Café wurde 1992 feierlich eingeweiht. Nahezu alle Vereinsaktivitäten, auch der sonntägliche Gottesdienst, viele Veranstaltungen und Feste werden dort durchgeführt. Für Betroffene und Bürger der Stadt kommt es im Blauen Café zu fruchtbaren Begegnungen bei einem vorzüglichen Speise- und Getränkeangebot.031810_1547_BlauesCaf2

Die Beratungsstelle konnte in diesem Haus dringend benötigte Räume beziehen, ebenfalls wurden in 2 Etagen Wohngemeinschaften eingerichtet.

Bis 1981 leitete Heinrich Lambach die fachlichen Einrichtungen. Sein Nachfolger in der Geschäftsführung und Klinikleitung wurde Rolf Schleicher. Nach vielen Jahren engagierter Arbeit ging Rolf Schleicher am 1. Oktober 1994 in den Ruhestand. Unter einer neuen Geschäftsführung soll die Arbeit mit Gottes Hilfe nach den Grundsätzen des Blauen Kreuzes in Deutschland fortgeführt werden.

 

Betreuungsverband

Dankbar blicken wir inzwischen auf einen integrierten Betreuungsverbund unseres Vereins mit ambulanten, stationären und komplementären Einrichtungen, der mit den zahlreichen freiwilligen Vereinsaktivitäten  - Beispiel Gruppen im Psychiatrischen Krankenhaus, in der Justizvollzugsanstalt, in vielen Begegnungs-, frauen- und Hauskreisgruppen - eine wichtige Aufgabe in der Region Kassel wahrnimmt.

Dringend benötigt wird eine Einrichtung für 15 bis 20 mehrfachgeschädigte Suchtkranke, die auf Dauer in einer familiären Atmosphäre wohnen und arbeiten sollen - eine wichtige Aufgabe für die nächste Zeit.

 

Verein - Blaukreuzarbeit

Eine seit Jahren bestehende Informationsgruppe, Chor, Kreis junger Erwachsener, Hauskreise, Besinnungs- und Familienfreizeiten, Schriftenmission und Öffentlichkeitsarbeit sind wichtige Aufgabensbereiche in einem lebendigen Blaukreuz-Verein, dessen unverrückbares Ziel die ganzheitliche Zuwendung für Einzelne und Familien ist. Durch Verkündigung des Evangeliums in regelmäßigen Gottesdiensten und liebevolle Solidarität in der Abstinenz sollen Menschen zu Rettung und zum Heil in Jesus Christus finden.

Diese weitverzweigte Arbeit in Kassel konnte nur mit Hilfe vieler haupt- und ehrenamtlicher Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, der Blaukreuz-Sekretäre und eines engagierten Vorstandes und Beirates geleistet werden. Zurzeit sind 82 hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen tätig. 

 

 

 

 

     

 

Fortsetzung folgt